"Eine nächtliche Parade ungebet`ner Bilder..."

Veröffentlicht auf von Bört

Tag zusammen,

Nun gibt es schon einen kleinen Einblick bzw. den Startschuss in meine Erfahrungen. Es sei jedoch gesagt, dass dies noch lange nicht der Höhepunkt ist! Erst einige Monate, wenn nicht, sogar Jahre später ist dieser erreicht. Da ich aber wie immer nicht lange drumherum reden - oder besser - schreiben möchte, mache ich mal weiter.

Mit neuem Mut und viel Energie ging es also Montags wieder zur Schule. Es wurde viel gequatscht, Gratulationen ausgesprochen und das nächtliche Erlebnis revue passieren lassen. Ich fühlte mich stolz, bekräftigt und dazugehörig. Die Distanz zu wichtigeren Dingen wie Schule vergrößerte sich nun merklich. Denn es ging jetzt häufiger um Parties; die "Coolen" gingen schon lange zur Disco und wollten nun dass ich mitkomme. Jedoch war meine Angst davor, zu tanzen, größer. So kam es, dass ich vorerst nur wenig mit Alkohol zu tun hatte, geraucht wurde natürlich immer noch. Aber nur einen Monat später, im Juli (oder war es August?), kam es dann doch dazu. Ich rang mich durch, in die Disco zu gehen. Erstaunlicherweise waren meine Eltern mehr begeistert als alles andere; boten sogar an, Hannes und mich abzuholen und auch hinzufahren! Ich war überrascht, aber froh darüber. So ging ich mit ihm allein das erste Mal in die Disco. Es handelt sich dabei um eine, die etwas außerhalb in einem kleinen Dorf liegt, mit 3 Räumen und vielen Jugendlichen. Als ich das erste mal nun da war - es waren zu meiner Unkenntnis aber nur 2 der 3 Räume auf, nämlich die kleinsten, so dachte ich, es wäre die gesamte Einrichtung so klein - langweilte ich mich. Und zwar was für eine Langeweile. Ich kaufte mir einige Mixgetränke; Wodka + Energy (also sowas wie Red Bull u.ä.) war zu der Zeit ein beliebtes Getränk. Ich trank nur in Maßen, tanzte nicht und rauchte ohne Ende. So trieb es Hannes und mich schnell wieder aus dem "Schuppen" heraus und wir fuhren nach Hause. Die nächsten Tage folgte der normale Schulalltag. Am Freitag aber entschieden wir uns erneut, zu derselben Disco zu fahren! Warum? Es war doch stinkend langweilig gewesen? Jedenfalls dort angekommen, hatte sich nicht viel verändert: Wir rauchten, tranken ein wenig und tanzten nicht. Der Abend neigte sich dem Ende zu und wir wurden wieder nach Hause gefahren. Aus diesem Prozess entwickelte sich ein kleines Mysterium, denn auch die darauf folgenden 3 Wochen fuhen wir jeden Freitag dorthin um uns zu langweilen. Allmählich war uns aber die Genugtuung, sagen zu können dass wir in der Disco waren, nicht mehr groß genug. es musste uns etwas Neues einfallen, etwas, was sonst noch kaum jemand gemacht hatte. Etwas, um den Spaßfaktor zu erhöhen. Als erstes versuchten wir zu tanzen - ohne großen Erfolg. Danach kam uns aber die Idee: Mehr Alkohol! Dadurch ging es einem schließlich automatisch besser, man war gesprächiger und traute sich sogar mal, ein Mädchen anzusprechen. Da sich aber auch dadurch kaum Erfolg abzeichnete, mussten härtere Mittel eingesetzt werden: Nein, keine schlimmeren Drogen....Noch mehr Alkohol!

Glücklicherweise konnten wir diese Devise vorerst nicht realisieren, da wir als Schüler nur geringe Geldmittel zur Verfügung hatten und mittlerweile alles soweit aufgebraucht war. Wir verlorgen den Gedanke fürs erste aus den Augen...

Ist es nicht erschreckend? Kinder, noch nichtmal 16 Jahre alt, völlig unerfahren, setzen sich der Gefahr des Alkohols aus um beliebter zu werden? Sie gehen in Discos ohne Spaß daran zu haben? Und wir waren nicht die Einzigen, denen es so ging! Wieso ist für und der Status so unglaublich wichtig? Ist es nicht möglich, alleine zu überleben? Und wieso hielt uns niemand davon ab? Es muss doch Menschen um uns herum gegeben haben, die es besser wussten? Ist denn der Grad unserer Wichtigkeit bestimmender als der der Zufriedenheit? Wenn ja würde das bedeuten, dass nur Menschen, die beliebt sind, auch glücklich sein können...

Veröffentlicht in Kapitel 2: Die Flaute

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