"Mit dieser Band, hast du nicht viele Freunde..."

Veröffentlicht auf von Bört

Die Böhsen Onkelz und ich

Ende des Jahres 2004, mit 14 einhalb Jahren, entdeckte ich eine Band, die mein Leben zu verändern vermochte. Anfangs nur eine Laune, entwickelten sie sich immer mehr zu einem der wichtigsten Teile meines ach so chaotischen Lebens. Viele Stunden hörte ich sie, viele Tage dachte ich über sie nach, jahrelang holen sie mich immer wieder ein...

Begonnen hat alles, als ich bei meinem Nachbarn Maik eines Tages den fulminanten Gitarrensound von Matthias "gonzo" Röhr hörte. Es lief ein Song des Albums "Viva los Tioz" (spanisch, bedeutet soviel wie: "Es leben die Onkelz"), und schnell packte mich die Geschwindigkeit dieses Rocks. Vor allem aber die Tiefgründigkeit ihrer Texte bewegte mich so sehr, dass ich Maik fragte, wer das sei und er mir antworte, dass es sich um eben die Böhsen Onkelz handelt. Er zeigte mir das Album, ich sah diese 4 Herren in selbstbewusster Pose und "verliebte" mich im gleichen Moment in sie. Ohne groß zu zögern bat ich ihn, mir die CD auszuleihen, was er auch ohne Umschweife tat. Dazu bekam ich noch eine andere CD von ihm, weswegen weiß ich nicht mehr, jedenfalls befanden sich dort die 3 Lieder "Viel zu jung", "Terpentin" und "Mexiko" drauf. Diese Songs ertönten fortan jeden Tag ununterbrochen aus den Boxen meines Zimmers. Schnell stellte ich fest, dass ich mehr davon brauchte. So fragte ich alle möglichen Leute und ging in viele Geschäfte, um mir CDs der Onkelz anzueignen. Viel Geld ging dabei verloren, aber die Investition hatte sich gelohnt. Meine Affinität zu der Band steigerte sich zeitweise fast in eine Ekstase, in der ich keine Minute ohne irgendein Lied der Frankfurter Band auskam. Schnell hatte ich alle Lieder fast von selbst auswendig gelernt und es machte mir Spaß, mit meinen Freunden mitzusingen und die Texte auf alle möglichen Situtationen des Lebens zu übertragen. Oft halfen mir Songs wie "Zu nah an der Wahrheit", "Keine ist wie du" oder "Nichts ist für die Ewigkeit", beim Überwinden von Schicksalschlägen, wie dem Tod meiner geliebten Urgroßmutter oder unglücklichen Enden meiner ersten Beziehungen. Ich war glücklich mit den Onkelz, wurde in meinem Selbstbewusstsein gestärkt und lernte viel von Ihnen, merkte endlich, dass ICH die wichtigste Person in meinem Leben bin und dass die meisten Medien zur Verdummung der Gesellschaft beitragen. Diese Philosophie, diese Lebenseinstellung übernahm ich 1:1 und habe es bis heute nicht bereut. Niemand sonst half mir bei meinen Problemen oder dabei, schwierige Situationen und Geschehenisse zu meistern oder zu verarbeiten.

Doch bald wurde ich das erste mal von ihnen enttäuscht, nämlich als ich erfuhr, dass die Onkelz demnächst ihre letzte Tour starten würden, um danach in die Analen einzugehen. Diese Sache traf mich schwer, da meine Eltern es mir wohl kaum erlauben würden, auf ein Konzert gehen zu dürfen. Unglaublicherweise schaffte ich dieses Kunststück alerdings doch, als ich ihnen klar machte was mir die Band bedeutet. Nur leider kam es nie dazu, dass ich bei einem Konzert war. Die Tickets waren ausverkauft und ich fand keinen Erwachsenen, der mich begleitet hätte. Lediglich mein Halbbruder wäre bereit gewesen, allerdings war seine Frau dagegen. Auch wenn es klischeehaft klingt: Sie kam aus dem Westen, wo laut ihrer eigenen Aussage die Onkelz als rechtsradikale Band abgestempelt sind und sie es nicht verantworten wolle, dass ich mit ihrem Mann zu einem Konzert fahren würde. So wurde mein Traum letztendlich zerschlagen.

Natürlich ließ ich mich davon nicht unterkriegen, schließlich gab es ja ausreichend DVDs und Ähnliches, womit ich mich den Onkelz sehr nah fühlen konnte. Und eine kleine Wiedergutmachung habe ich bereits, denn ich fahre Ende März nächstens Jahres zum "Der W" - Konzert, der ja bekanntermaßen der Kopf der Band war.
Wie erging es euch mit den Onkelz? Hattet ihr auch eine so innige Beziehung zu ihnen? Habt ihr schwere Erlebnisse mit ihnen geteilt oder seid ihr der Meinung, sie hätten es nicht verdient, so hoch von mir gelobt zu werden? Es interessiert mich sehr, wie andere darüber denken oder ob ich der einzige Verrückte auf dieser Welt bin...


Veröffentlicht in Über mich und die Welt

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